Imaginärer Realismus
 

 

 

 

Malerei ist

wie die übrigen Künste sowohl im gesamten als auch im Einzelwerk gekennzeichnet durch das Zusammenwirken von Inhalt und Form.

Realismus ist

eine Gestaltungsweise in Malerei und Plastik, deren Ergebnis ein Abbild der sichtbaren Wirklichkeit ist; darüber hinaus kann realistische Darstellung zugleich Deutung und Wertung des abzubildenden Sujets beinhalten. Hier liegt der Unterschied zum Naturalismus, der auf die naturgetreue, objektive Wiedergabe des Bildmotivs hinzielt.

Imaginärer Realismus ist

dadurch gekennzeichnet, dass zwei oder mehrere Sujets im Stil des Realismus  dargestellt werden, in ihrer Anordnung aber, sei es in Größe oder Themenbezug, in für die menschliche Erfahrung ungewohnter Weise gegenübergestellt werden und somit dem Ganzen eine unwirkliche - imaginäre -  Wirkung geben. 
 


 

Realismus

Realismus

Imaginärer Realismus

 

 

 Imaginärer Realismus in der heutigen Zeit

Forschung und Technik einerseits sowie Gesellschaftsnormen, Arbeits- und Medienwelt andererseits lassen wenig Platz für Romantik, Träumerei oder Illusion. Unser Leben, unser Wirken und unsere Umwelt werden uns so real gezeigt wie noch nie vorher. Die scheinbar letzten Geheimnisse des Lebens stehen kurz vor ihrer Entschlüsselung, die moderne Technik setzt Wunder an Wunder, das globale Wissen nimmt durch immer neue Entdeckungen und Informationen in Sekundenschnelle in einem Maße zu, wofür es früher Jahrhunderte oder vor kurzem noch Jahrzehnte dauerte.

Wir leben nicht mehr in einer Zeit des Glaubens und Vermutens, wir leben in einer Zeit des Wissens, wir leben real. Real sind aber auch Kriege - es gibt keinen Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt blutig gekämpft wird -, Kriege, die unzählige sinnlose Menschenopfer fordern. Wir können berechnen, wie lange es dauern wird, bis wir unsere Umwelt soweit zerstört haben, dass wir Katastrophen von ungeahntem Ausmaß nicht mehr verhindern können. Das Zauberwort des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts war Globalisierung. Ein enormer wirtschaftlicher Boom ist das Ziel dieser Zauberformel. Beispiele dieser Art unseres realen Daseins ließen sich noch unzählige anfügen.

       Lassen Sie uns nun theoretisch diese Realitäten gleichsam wie in einem Bild darstellen. Stellen Sie der Umweltzerstörung die daraus resultierenden Naturkatastrophen gegenüber, stellen Sie der Hightec der Kriegsschauplätze, deren Opfer in die Millionen gehen könne,  die Medizin-Hightec gegenüber, die allein zur Rettung eines einzigen Lebens aufgewendet wird und malen Sie nicht nur die Vorteile der Globalisierung, sondern denken Sie auch an die globalen Gefahren wie globale Wirtschaftskrisen, globale Ausbreitung von Krankheiten und die globale Kriegsgefahr. Stellen Sie sich  Slums, die in größerer Geschwindigkeit wie Großstädte wachsen, vor in glitzernden Fassaden unserer hochmodernen Metropolen und setzen Sie einen Menschen, der an einem Tag mehr verdient als hunderttausende in Ihrem ganzen Leben in die Mitte  verhungernder Kinder. Diese Realität wird imaginär.

Genauso imaginär mag ein Kreuzritter mit Maschinengewehr und Funkgerät erscheinen – wir möchten gerne darüber lachen. Das Lachen vergeht uns aber, wenn Volksführer mit der geistigen Grundeinstellung des Mittelalters die Verantwortung für viele Millionen Menschen tragen. Diese Leute verfügen über modernste Mordinstrumentarien bis hin zur Atombombe, haben aber eine philosophische und ethische Weltanschauung wie vor tausend Jahren. Die einen wollen ihren Glauben mit Gewalt über die ganze Welt ausbreiten, der andere sieht sich als verlängerter Arm Gottes und spricht von einer Achse des Bösen (nichts anders als wieder Millionen von Menschen), des Bösen, das zu vernichten er sich berufen sieht.

Wirtschaft und Technik sind ein realer Bestandteil unseres Lebens geworden, nicht aber aufgeklärter Humanismus. Wir sollten geistig Schritt halten mit der Entwicklung der Zeit und nicht Überlieferungen nachhängen, deren Inhalte (z.B. die Erde ist der Mittelpunkt der Welt usw.) längst widerlegt sind, und auch in unserer Weltanschauung und Ethik zum modernen Menschen mutieren.

Solange  Religionen mit Absolutheitsansprüchen, egal welcher Richtung, das Denken der Volksführer beherrschen, wird es keinen Frieden auf Erden geben und genau so wenig wird der Terrorismus auf Erden ein Ende finden, solange ein Teil der Menschheit in unermesslichem Reichtum, der andere Teil aber in größter Armut und Hungersnot lebt. Eine erfolgversprechendere Terrorismusbekämpfung als sinnlose Kriege wäre es, die immensen Aufwendungen der Kriegsführung in die Bekämpfung der Welthungersnot zu investieren.

Der soziale Friede wird auch in den westlichen Ländern gefährdet sein, sollte die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderklaffen, wie in den letzten Jahrzehnten zu beobachten ist.

Der größte Nährboden für diese Entwicklung ist der Kapitalismus, der von jeher von der Intelligenz der Menschheit verdammt, von den Verantwortlichen der westlichen Länder aber verteidigt wird. Er nimmt immer extremere und gefährlichere Auswüchse an wie analog dazu die Dummheit der Menschen zunimmt. Die Ethik wird ersetzt durch Gewinnmaximierung.

Ein neues Wertebewusstsein muss geschaffen werden. Dies wird mit den momentan Verantwortlichen in den Medien wie Fernsehen und Presse nicht möglich sein. Asozial wird heute fast gleichgestellt mit arm, reich mit bewundernswert. Wie primitiv wird der Mensch noch werden? Asozial ist nicht Armut, sondern Rücksichtslosigkeit und Gewinneinfahrung auf Kosten der Allgemeinheit wie z.B. Subventionsbetrug und Steuerhinterziehung, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Nutzniesser solcher Machenschaften sollten nicht länger ob ihres suspekten Reichtums angesehen, nein, sie sollten geächtet sein.

Allgemeinbildung wird nicht etwa von den Bildungsministerien durch gezielte ethische Erziehung zu einem humanistischem, aufgeklärtem Weltbild gewährleistet, sondern vielmehr  von den Massenmedien, die ihr Angebot nach Einschaltquoten bzw. Auflagenstärke entwerfen.

Der Mensch muss wieder lernen, kritisch zu beobachten (nicht nur am Aktienmarkt, wie jüngst erfahren) und  kritisch zu urteilen und sich ein Weltbild schaffen, das den modernen Anforderungen gewachsen ist. Dieses Weltbild darf weder von Religionen noch von primitiven Kapitalisten oder machtgierigen Aspekten geprägt sein, sondern es muss den Menschen selbst im Zentrum sehen, den Menschen im humanistischen Sinn, und es muss sich orientieren an der Aufklärung und Glauben durch Wissen ersetzen.

Der „Imaginäre Realismus“ kann dies nicht malen. Aber dennoch, er kann seinen Teil dazu beitragen: Er kann Zweifel setzen. Er kann den Betrachter verunsichern, nicht alles so hinzunehmen, wie es vorgesetzt wird, wenn er ihm Gegenstände gegenüberstellt, die ihm zwar bekannt, aber in ihrer Anordnung oder Kombination ungewohnt sind. Zweifel und Verunsicherung bedingen Misstrauen, Nachdenken und Hinterfragung. Damit ist viel gewonnen in einer Zeit, in der das oberflächliche Angebot von geistiger Unterhaltung unzerkaut aufgenommen und unverdaut wieder ausgeschieden wird.

Ich möchte zum Abschluss Michael Schmidt-Salomon zitieren:

„...Angebot und Nachfrage sind gerade auf dem Feld der massenmedialen Kommunikation selbstverstärkende Prozesse. Wer dank der kurzfristigen Profitinteressen der Programmmacher niemals erfahren durfte, dass es auch jenseits der MTV-Standardrotation interessante musikalische Universen gibt (die man aber erst dann genießen kann, wenn man sich mit ihnen näher beschäftigt), wem niemals vermittelt wurde, dass es spannender ist, sich mit Philosophie, Wissenschaft und Kunst zu beschäftigen als den intellektuell arg limitierten Big-Brother-Insassen beim Nasepopeln zuzuschauen, der wird sich notgedrungen mit den schlechteren Alternativen abfinden – nicht wissend, was er dadurch in seinem Leben verpasst. ...“

Januar 2009

 

Sollten Sie als Künstler Interesse haben, in dieser Kunstrichtung  zu arbeiten, setzen Sie sich mit mir in Verbindung.